HINTERGRÜNDE

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ALLES ÜBER DEN queerclimb GRÜNDER UND DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES PROJEKTS

Hallo, ich heiße Finn und bin 28 Jahre alt. Ich bin passionierter Kletterer seit vielen Jahren. Ich habe als Klettertrainer zu arbeiten begonnen, weil ich meine Leidenschaft mit anderen teilen möchte und sehr gerne mit Menschen zusammenarbeite, Kinder wie auch Erwachsene.

The queerclimb project founder Finn

The queerclimb project founder Finn

Ich bin ausgebildeter Guide / Tourenführer sowohl für Sportklettern (indoor und outdoor) als auch für Alpinklettern. Ich habe 2013 begonnen, in meiner lokalen Alpenvereinssektion in Wien als Trainer zu arbeiten und bin seither an verschiedene Orte weitergezogen. Momentan befinde ich mich in der Vorbereitung zur Ausbildung zum gewerblichen Sportkletterlehrer. Wenn ich gerade nicht trainiere, bilde ich mich zu aktuellen Sicherheits- und Ausrüstungsthemen weiter. Ich habe grundlegende Kenntnisse in Erster Hilfe und Bergrettungstechniken.

Mein liebster Kletterstil ist “Trad” oder “Clean Climbing”, eine Begehungsart, bei der man keine Spuren aber auch den Lärm und die Menschenmassen von Sportklettergebieten zurücklässt. Psychisch anspruchsvolle Klettereien und herausfordernde Mehrseillängentouren erfüllen mich am meisten.  Mein Traum ist es, Bigwalls wie z.B. in Yosemite, Kalifornien klettern zu können (und mir ein Tattoo der “Nose” Topo stechen zu lassen).

Ich möchte meinen Eltern dafür danken, dass sie mir, seitdem ich klein war, die Schönheit und Faszination der Berge gezeigt haben. Ohne unseren zahlreichen gemeinsamen Wanderungen, Skiurlaube und Ausflüge zum Schwammerl suchen würde ich mich der Natur nicht in diesem Maße verbunden fühlen. Ich genieße jede Sekunde, dich ich draußen sein kann. Es ist mein Ausgleich zum hektischen Großstadtleben.

WARUM HABE ICH queerclimb INS LEBEN GERUFEN?

Ich habe dieses Projekt aus mehreren Gründen gestartet. Es hat viel mit meiner persönlichen Geschichte und meinen Erfahrungen als (damals) queere Frau und als (heute) genderqueere Transperson. Die ursprüngliche Idee begann 2012, als ich den Blog und das Zine “Climbing Queers” erstellte, um über Ungleichheiten und Ausschlüsse in der Klettersezene zu schreiben. (Hinweis: der Blog ist momentan offline)

Als ich mit zwanzig internationale Entwicklung und Gender/Postcolonial Studies zu studieren begann, wurde ich auch politisch aktivistisch tätig. Damals begann ich ebenfalls, regelmäßig zu klettern und gründete eine kleine Trainingsgruppe. Ich habe mich damals als queere Frau definiert, war in feministischen und anarchistischen Zusammenhängen aktiv und außerdem die einzige, die im Vorstieg geklettert ist. Durch diese Sonderstellung war ich naturgemäß dummen Kommentaren ausgesetzt (und hab mein Augenmerk auch darauf gelegt). Die anderen Frauen bekamen von ihren Freunden vorgeschrieben, was sie in den Routen zu tun hatten und waren leider nicht daran interessiert, im Vorstieg zu klettern, härter zu klettern oder progressiver zu trainieren. Niemand hatte denselben Background oder eine ähnliche politische Einstellung wie ich und es fühlte sich oft so an, als ob ich keine Unterstützung hätte. Meine engen Freunde und Bekannte aus aktivistischen Zusammenhängen waren nicht am Klettern interessiert.

Ich verließ die Gruppe, aber noch viele weitere unangenehme Situationen folgten: subtile sexistische Witze, offene Beleidigungen, Kommentare über meinen Körper, Annahmen über meine Klettertechnik, ungewollte Tipps und Hinweise in Routen bis hin zu schlichter Ignoranz meiner Anwesenheit. Ich habe viel Diskriminierung erlebt. Als direkter Mensch, der für sich und andere, die belästigt worden sind, eingestanden ist, habe ich keine wohlwollenden Reaktionen in der Kletterwelt erlebt. Im Gegenteil, mir sind dort die allergrößten reaktionären und geschlechternormativen Geisteshaltungen begegnet. Sie kamen von Leuten, die sich als abenteuerlich, freiheitsliebend und entspannt angesehen haben.

Ich habe mich in die Geschichte des Klettersports eingearbeitet und haufenweise Biographien von berühmten Kletterinnen gelesen. Danach war es mir noch bewusster: klettern, wie viele andere Sportarten auch, ist von weißen, heterosexuellen Cis-Männern dominiert. Die Kletterszene ist genau wie der Rest der Gesellschaft entlang von Geschlecht und anderen sozialen Kategorien gespalten, Veränderungen geschehen nur langsam.

Ich habe also zwei Dinge im Laufe der Zeit festgestellt: erstens war es sehr schwer für mich, Kletterpartner*innen zu finden, mit denen ich mich auf einer persönlichen und politischen Ebene verständigen konnte. Ich möchte beim Klettern mein Bestes geben und an meine Grenzen gehen, das ist mit fehlendem Vertrauen oder den falschen Partner*innen nicht möglich (oder wenn man ständig befürchten muss, einen “lustigen” Witz zu hören). Ich möchte mein Training genießen anstatt belästigt und bevormundet (und in den letzten Jahren falsch gegendert zu werden). Mein Bedürfnis nach einer sicheren Community, in der ich mit Gleichgesinnten das machen konnte, was ich am liebsten mache, wurde jeden Tag größer. Ich sehnte mich nach einem Netzwerk, das es ermöglicht, mit anderen aktiven und kletternden Frauen, Transgendern und Queers leichter in Kontakt zu kommen.

Zweitens ist mir aufgefallen, dass Männer ziemlich viel Raum einnehmen – auf den Felswänden und in den Hallen. Wie leben aber nicht mehr in den 1950er sondern in den 2010er Jahren und obwohl es mittlerweile einige Initiativen gibt (z.B. der “Women’s Climbing Summit”) und Spitzenathletinnen wie selbstverständlich die härtesten Routen klettern und Boulder-Weltcups gewinnen, ist und bleibt es eine von weissen Cis-Männern dominierte Szene. Das zeigt sich auch in den Medien: sehr wenige Boulder- oder Kletterfilme zeigen Frauen. Einige Magazine halten sich für besonders cool, wenn sie über “girlie rock trips” in rosa Schrift schreiben und Spitzenathletinnen sexualisieren. Über einige Körper und Geschlechter schreiben Klettermagazine überhaupt nie. Und auch wenn Jerry Moffatt einer meiner Superhelden ist, brauche ich auch andere Role Models. Ich habe noch über (geoutete) Transgender und, abgesehen von den wenigen bekannten, People of Colour im Klettersport gelesen – das sind auch nicht die typischen Menschen, auf die man in Kletterhallen oder draußen trifft. Es gibt ein paar gute Projekte für marginalisierte Gruppen, zum Beispiel “Handi Grimpe” (ein französisches Projekt für Menschen mit Behinderungen), aber sie bleiben die Ausnahme.

Schau mal bei den Workshops und Links rein, wenn du mehr über Klettergeschichte aus einer kritischen Perspektive lernen und diskutieren möchtest!

In meinem Alpenverein und der gesamten Kletterszene fühlte ich mich als queere, gender-nonkonforme Person nicht unbedingt gut und zahlreich repräsentiert, sondern zeitweise eher wie ein Alien. Ich habe mich oft gewundert – wo sind meine Leute, wo ist meine Crew? Ich habe recherchiert und einige Kletterprojekte für Frauen und Queers entdeckt, aber sie waren entweder inaktiv oder zu weit weg von mir. Bis zum heutigen Tag ist mir kein Transgender-Kletterprojekt begegnet, daher wollte ich diese Leerstelle füllen. Darüberhinaus wollte ich meine Erkenntnisse aus Studium und Aktivismus in meine Arbeit als Klettertrainer einfließen lassen und Frauen und Menschen aus der LSBTIQ Community Kurse mit einer Atmosphere, die sich von anderen Kursen abhebt, anbieten. Die Ideen nahmen eine konkrete Form an: ich möchte ein langfristiges interaktives Netzwerk- und Weiterbildungsprojekt aufbauen und dadurch meine drei Communities (Kletterszene, queere Szene und aktivistische Szene) näher zusammenbringen.

WIESO HEISZT DAS PROJEKT queerclimb?

Das “queer” in queerclimb steht nicht nur stellvertretend für die Vielseitigkeit von Geschlechtern und sexuellen Orientierungen, die kletternde Menschen haben können, sondern es markiert auch den Versuch, das was wir als “normal” und “standardisiert” wahrnehmen, aufzulösen und eine gesellschaftliche Veränderung zu bewirken. Nachdem es kein überwältigendes Angebot an Projekten für kletternde Frauen gibt, habe ich beschlossen, aus queerclimb ein Zuhause für alle Frauen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung zu machen oder wie es eine Freundin formuliert hat:

“to provide a safe haven for climbers what they do best: climb, push their boundaries, enjoy their passion without the restriction of misogyny and stereotypical gender norms. The sky is the limit!”

(dt. “einen sicheren Hafen für Kletterer*innen bereitstellen, so dass diese tun können, was sie am liebsten machen: klettern, ihre Grenzen ausweiten, ihre Leidenschaft genießen ohne den Einschränkungen durch Misogynie (Frauenfeindlichkeit) und stereotype Geschlechternormen.)

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Finn bouldert auf einer geheimen Insel in der Nähe von Smögen, Schweden // Foto: queerclimb Archiv


MEET THE queerclimb FOUNDER AND LEARN ABOUT THE PROJECT’S BACKGROUND…

Hello, my name is Finn and I’m 28 years old. I’m a passionate rock climber and have been for many years. I started working as a climbing guide, because I love showing others the ropes (no pun intended) and I deeply enjoy working with people, children and adults likewise.

I’m a trained indoor & outdoor sports climbing guide as well as an alpine climbing tour guide. I started giving courses for my local alpine club in Vienna in 2013 and since then I’ve moved on to different cities and places. I’m currently in training for a higher educational program enabling me to become a full-time professional climbing instructor. Whenever I’m not training, I’m educating myself about climbing safety and gear updates. I’m trained in first-aid and have basic knowledge of alpine rescue techniques.

The queerclimb project founder Finn

My favourite style of climbing is trad or clean climbing, leaving no marks behind, but also the noise and crowds of sport climbing crags. Psychologically demanding climbs and challenging multi-pitch-tours are the most gratifying for me. My long-time dream is to be able to climb bigwalls such as in Yosemite, California (and get a tattoo of the “Nose” topos done).

I’d like to thank my parents for showing me the beauty and fascination of mountains when I was growing up. Without the many hiking tours, skiing holidays and mushroom collection trips we did together I wouldn’t have such a close bond with nature. I enjoy every second that I can spend outdoors. It is my balance for living in a big city.

SO WHY DID I START THE queerclimb PROJECT?

I had many reasons to start this project and it has a lot to do with my personal history and experiences as a (back then) queer woman and (now) genderqueer trans person. The initial idea started in 2012, when I set up the blog & zine „Climbing Queers“ to write about inequalities and exclusions in the climbing scene. (Note: the blog is currently offline)

When I started studying international development and gender/postcolonial studies at the age of 20, I became a political activist. At that time, I also started climbing regularly and formed a small training group. I identified as a queer woman, a fierce feminist and an anarchist and I was the only lead-climbing woman in the group so I was naturally exposed to stupid comments (and I was more observant of it). The other women I’ve met got told by their boyfriends what to do on the walls and sadly none of them were ready to lead-climb, climb harder routes or train progressively. None of these people shared my background or political attitudes and I often felt like I was without support, as unfortunately none of my close and/or activist friends were interested in climbing.

I left the group but the upsetting situations continued: subtle sexist jokes, open insults, comments on my body, assumptions about my climbing technique, unwanted beta or getting ignored and spoken over. I’ve encountered lots of discrimination and as an outspoken person fighting back or intervening when I noticed other women getting bothered. I didn’t meet too many welcoming attitudes in the climbing scene. On the contrary, I was met with the most reactionary and gender normative mindsets. Except that they were coming from people who were describing themselves as adventurous, freedom-loving and laid-back.

I digged into alpine history and read many biographies of famous female climbers and mountaineers and my thoughts were confirmed: climbing, like many other sports, is dominated by white, straight cis-men. The climbing scene is divided along gender lines and other social markers, just like the rest of society and changes happen only very slowly.

So I noticed two things: first, it has been hard for me to find climbing and tour partners with whom I get along on a personal and political level. I wanted to give my best during climbing and try to go beyond my limits and this is impossible with a low level of trust or the wrong partner (or if you constantly have to worry about „funny“ jokes). I wanted to enjoy my training instead of getting harassed and patronised (and more recently misgendered). The need for a safe community, where I could do what I love most with like-minded people, grew bigger everyday. I was longing for a network that made it easier to connect for active women, trans or queer climbers.

Secondly, men take up a lot of space at the crags and in the gyms, as if it was the 1950’s. But it’s the 2010’s and although some initiatives have evolved (e.g. „women’s climbing summit“) and it is as normal as it could be to see female elite artists sending the hardest routes or crushing boulders at competitions, as a whole it is still a „straight white boys club“. This also shows in the media: only very few bouldering or climbing films feature women. Some climbing magazines think it’s cool to write about “girlie rock trips” in pink font and sexualise female climbing athletes. There are some body types and genders magazines never write about. Even though Jerry Moffatt is one of my super heroes, I want to have other role models too. I’ve never read about (open, outed) transgender climbers or more than the handful of known climbers of colour – these are also not the people you typically meet in the gyms and crags. There are some good projects for marginalised people in the climbing scene, for example „Handi Grimpe“ (French project for people with disabilities),  but they remain an exception.

Check out the workshops and links for more critical debates & historical approaches to climbing!

In my alpine club and the scene as a whole, I didn’t exactly have a lot of representation as a queer, gender non-conforming person and there were times where I’ve felt like an alien. I often wondered – where are my people, where’s my crew? I did some research and although I’ve found some women and queer climbing initiatives, they were either far away or inactive. To this day I haven’t encountered a transgender climbing project, so I wanted to fill this void. Besides, I wanted to include the knowledge and reflexions that I gained from my time at university and as a political activist into my work as a climbing teacher and offer courses for women and LGBTIQ people with an atmosphere different from the rest. The ideas took a concrete form: to build a long-term interactive social networking hub & educative project to bring my three communities closer together: climbers, queers & activists.

WHY IS IT CALLED queerclimb?

„Queer“ in queerclimb does not only refer to a diversity of genders and sexual orientations of climbers but it is also an attempt to make a social change and dissolve what we learn to think is „normal“ and „standard“. As there is not an overwhelming offer of climbing projects for women I decided to make queerclimb a home for all women regardless of their sexual orientation or as a friend put it

“to provide a safe haven for climbers what they do best: climb, push their boundaries, enjoy their passion without the restriction of misogyny and stereotypical gender norms. The sky is the limit!”

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Finn boulders on a secret island near Smögen, Sweden. Photo credit: queerclimb Archiv




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